Als visueller Mensch entgeht mir wenig. Wie von selbst lese ich alle Schriften im öffentlichen Raum und entdecke verlorene Dinge, die als einsames Strandgut die Stadt bevölkern. So fiel mein Blick auf dem Weg zur U-Bahn auf dieses Foto. Es lag auf seitlich auf dem Gehweg. Natürlich hob ich es auf. Seitdem liegt es auf meinem Küchentisch und ruht sich aus. Ich habe im Lauf meines Lebens gelernt, loszulassen und so bedränge ich es nicht mit Fragen nach dem, was es der Welt zeigt. Ich begnüge mich damit, dass ganz viel Licht auf seiner glänzenden Oberfläche zu sehen ist. Natürlich gibt es auch Dunkelheiten, wie sie in allen Momentaufnahmen unseres Daseins aufscheinen. Undeutlich weiche Ränder gestalten die Übergänge zwischen Licht und Schatten. Rosa, blau und weiß tragen dazu bei, dass ich ab und zu in einer der Bildecke eine Landschaft zu erkennen glaube, mit zartem lila Hintergrund. Im Vertrauen darauf, dass dieses Foto auch nur besehen werden will wie wir alle, freundlich und ohne Wertung, lasse ich es bei mir wohnen und versuche, ihm gerecht zu werden. Eine andauernde Übung, es einfach sein zu lassen. Manchmal scheinen die Farben sich zu verändern. Das Licht strahlt an besonders dunklen Tagen heller. Ich glaube, es fühlt sich wohl.
© BarbaraBiegel2026