Dienstag, 19. Mai 2026

Die Phantasie

 

 

 

Ich lache. Die Phantasie lacht mit. Sie streckt einen Fuß vor und tippt mit dem großen Zeh auf den Boden. Ich sehe hin und bemerke ein Schneckenhaus, aus dem eine Pflanze zu wachsen beginnt. Immer mehr Blätter entfalten sich, als sie sich um den Fuß der Phantasie schlingt und das Bein hochklettert. Auf Höhe des Oberschenkels erscheint eine hellgrüne Knospe und entfaltet sich als hellblau schimmernde Trichterwinde. Ich gehe einen Schritt vor und sehe in das Innere der Blüte. Drinnen ziehen Wolken über einen klaren Himmel, stetig und fließend die Form wechselnd. Ich staune und spüre die Blicke der Phantasie. Auf einmal wird aus dem Himmel ein Meer. Fische, farbig schillernd wie in Korallenriffen, schwimmen in kleinen Gruppen umher, ihre Schuppen blinken. Ich bin ganz fasziniert. Und plötzlich ändert sich das Bild von Neuem und ich sehe mich auf einer Hochebene, die von Vogelschwärmen überflogen wird. Ich stehe dort und drehe mich um die eigene Achse, ich hebe die Arme und aus meinen Händen steigen flimmernde Fäden auf und verbinden mich mit dem Raum über mir, sie verwirbeln in der Höhe und meine Arme werden durch den entstehenden Strudel erfasst, mein ganzer Körper dreht sich mit. Ich werde hineingezogen in den großen Wirbel und lache.

©Barbara Biegel2026

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