Samstag, 9. Mai 2015

Die Tulpe

Die Tulpe hat mich begleitet vom Starnberger See, vom Seminar für Verwaiste Eltern, bis nach Hause.




Warum liegt sie?, könnte ich das Programm fragen, das mir das Hochladen des Fotos ermöglicht. Ich kann es nicht sagen und es lässt sich kaum ändern, außer ich versuche, das Original zu drehen und "falsch" hochzuladen, manchmal klappt das.

Aber jetzt kann ich nachdenken, warum sie gerade heute liegt.

Steckt ein Sinn dahinter?

Ist es ein Lächeln von ganz "oben", wo auch immer das sein mag?

Möglich, denn aus irgendwelchem anderen Grund wachte ich heute mit einem sagenhaften Glücksgefühl auf, ganz beseelt und einverstanden und empfand ein großes JA für Alles, das mich sehr glücklich machte. Es war wie eine Botschaft und schien so gar nicht mit meinem Alltag zu tun zu haben und auch nicht mit dem ruhigen Einverstandensein und schon gar nicht mit dem Freuen über kleine Wunder, denn es war groß...

Vielleicht hat mein Sohn mir das geschickt, der auch die Blume den Kopf anheben hieß anstatt ihn nach unten zu neigen!
(im Hintergrund die Botschaft: Manchmal sollte man einfach ans Meer fahren)

Danke, Sohn!


Dienstag, 28. April 2015

Nach dem Wochenende







Drei Tage am Starnberger See, schwere Tage und schöne Tage.

Vier Tage vorher im August ein Schwimmen mit Blick auf die Berge.

Acht Monate später bin ich an diesem Ort.

Neben dem Kloster ist das Buchheim-Museum mit seiner Sammlung und der aktuellen Expressionisten-Ausstellung. Hier treffe ich wieder auf Radziwill, ein Vorbild aus den Tagen des Kunststudiums, und entdecke einen Engel.




Mich tröstet ein Buddha der Sammlung. Sein leichtes, wissendes Lächeln verströmt Tiefe und Weisheit.





Die Masken erinnern an die Gesichter der Menschen seit dem letzten Sommer.




Die Madonna trägt auf dem Gewand dieselbe Stickerei wie ich auf meinem Tuch.




Abends breitet auch die Landschaft mit einer Spiegelung ihre Arme aus und schließt mich und meine müden Augen in ihre Arme.



Am nächsten Abend erfahre ich von dem Erdbeben in Nepal und denke voll Mitgefühl an die  Traumatisierten,  Leidenden und Trauernden dort.



Samstag, 18. April 2015

Malerei fließen lassen







Ob es Zufälle gibt?
Genau so, wie ich Käthe Kollwitz über Umwege begegnet bin, begegnete ich heute im Supermarkt einer Frau, die sich nach meinem Ergehen erkundigte - eine Frage, die mich anschließend in den abgelegensten Bereich des Supermarktes trieb. Dort versteckten sich zwei Kinder hinter einer niedrigen Verkaufsfläche, kicherten und rannten davon. Als ich nachsah, was dort für Waren lagen, wartete eine kleine Flasche um die Hälfte reduzierter schwarzer Abtönfarbe auf mich, die ich kaufte.
Zuhause holte ich einen kleinen Borstenpinsel, riss aus einem Buch, das mir für Collagen diente, einige Seiten und begann zu malen.

Ich malte, ohne nachzudenken, was mir aus der Hand floss.

Seit wie langer Zeit hatte ich nicht mehr gemalt!


Hier die Seelenbilder, wie ich sie nennen will:





























WE





























Mittwoch, 15. April 2015

Begegnung mit Käthe Kollwitz






S. hat mir ein Buch geschenkt, in dem es um eine junge Künstlerin geht, die Vögel liebt, darstellt und an der Zerstörung ihrer Umwelt leidet, schließlich krank wird, von der Zeichnerin zur Malerin und zur Bildhauerin wird und stirbt, nicht ohne den Plan zu verfolgen, mit der illegalen Beerdigung ihrer Leiche auf einem an einen Investor verkauften Grundstück dessen Bebauung zu verhindern.
Das wäre eine Geschichte, die interessant erzählt werden könnte, die Autorin hat mich aber enttäuscht, es scheint mir ohne Herz geschrieben, nur zusammengesetzt aus herbeigesuchten Versatzstücken.
Öfter kommt auch Käthe Kollwitz vor, ohne dass ich mich erinnern kann, wie ihr Leben in die Handlung wirkt. Aber bei mir hat es etwas ausgelöst, von ihr zu lesen und, auch weil mich ihr Portrait in Form einer Fotografie schon lange begleitet, ging ich in die Bücherei, um mir ihre Tagebücher auszuleihen. Als zweites nahm ich ein Buch mit Selbstportraits und sogenannten „versteckten“ Selbstportraits mit.
Es ist manchmal, als ob das Schicksal mir etwas zuspielt, mir, der Künstlerin, die ebenso wie Käthe Kollwitz ihren Sohn verloren hat. Wiedergefunden habe ich in den Buchzeilen das Gefühl der Trauer, das Kämpfen um den Sinn des Lebens, das Auf und Ab der produktiven und das der suchenden, sinnlos erscheinenden Phasen, in denen man sich durch das Ausbleiben der schöpferischen Kraft so schwer tut. Dann der Große Einschnitt, der sie so trifft, obwohl ihr von klein auf das Sterben von Kindern gegenwärtig ist – „die Mutter, das Kind und der Tod“ - ein schon in jungen Jahren bearbeitetes Thema.
Auf welch anderem Weg bin ich zurzeit unterwegs: Die Filme auf Abstand, bearbeite ich nach der Begegnung mit den Mandalas nach C.G. Jung auf ebenso heilende Art und Weise meine Holunderholz-Augen. Es entstehen vielseitige strahlende Augen-Blicke und ich warte auf die Paketsendung mit den für die kleinen Arbeiten bestellten Anhängern:
Augen aus Holunderholz / Holunder schützt und hilft











Sonntag, 4. Januar 2015

Wein




Gestern auf Arte einen Film über georgischen Wein gesehen. 

Die meist roten Trauben wurden am Markt der Hauptstadt, quellend aus den Kofferräumen von Autos, verkauft.






In riesigen Amphoren aus Ton, die in den Erdboden inmitten der Weinbauernhäuser eingelassen und mit Deckeln aus Ton zugedeckt waren, gärten die Trauben. Frauen verrührten im Freien über offenem Feuer in einem riesigen Topf roten Traubensaft mit Mehl zu einer dicken Masse, in die sie dann an Schnüren aufgefädelte Walnüsse tauchten und anschließend zum Trocknen aufhängten.
An langen Tischen wurden die Gläser erhoben und in allen Trinksprüchen den Helfern, den Weinbauern, den Familienmitgliedern und immer auch den Toten gedankt.
Einmal saßen alle am Friedhof in kleinerer Runde neben den Gräbern an einem Tisch und aßen und tranken. Der Toten wurde gedacht, auch denjenigen, deren Bilder noch in den kleineren umzäunten Grabstellen zu sehen waren und die keine Angehörigen mehr hatten. Sie alle waren eingeladen und wurden nicht vergessen. Ihre gemalten fotografie-ähnlichen Portraits ließen die Verstorbenen merkwürdig präsent sein.

Donnerstag, 1. Januar 2015

Übergänge

Heute Nacht fand der Übergang vom alten ins neue Jahr statt. Als ich aufwachte, überstrahlte die Sonne Hausdächer, Schnee- und Böllerreste und alles wirkte wie gewaschen nach der Trübheit der letzten Tage.
Wie wird wohl jetzt die Schneefrau oben am Berg aussehen, die wir erst vorgestern bauten?



Blickt sie noch in dieselbe Richtung?

Das vergangene Jahr mit all der Schwere hat sie im Rücken, trägt dessen tröstende Botschaften mit sich und erinnert sich an den Weihnachtsabend, an dem drei Hände WUNDERkerzen hielten, während eine vierte gleichzeitig brannte, gehalten von einem, der in Träumen auf hohe Bäume steigt und sich oben in den Wolken verliert.






Dazu ein Gedicht von Rose Ausländer


IM NEUEN JAHR
GRÜSSE ICH
MEINE NAHEN UND
DIE FREMDEN FREUNDE

GRÜSSE DIE
GELIEBTEN TOTEN

GRÜSSE ALLE EINSAMEN

GRÜSSE DIE KÜNSTLER
DIE MIT
WORTEN BILDERN TÖNEN MICH BEGLÜCKEN

GRÜSSE DIE
VERSCHOLLENEN ENGEL

GRÜSSE MICH SELBER
MIT DEM ZURUF

MUT


Donnerstag, 18. Dezember 2014

vom Fallen



Manchmal ist es eigenartig, das Erwachen in der Früh – noch bevor sich der Verstand erinnert, was war, fühlt es sich so an, als ob im Hintergrund eine ganz eigene Geschichte abläuft, ein unaufhörliches Erinnern, ein großes Sehnen.  Von Anfang an liegt dieser Schleier über dem Denken und hält an, noch lange, wenn sich andere Abläufe und Ablenkungen schon längst in den Vordergrund gedrängt haben.

David Grossman hat großartige Worte dafür gefunden. In seinem Buch: "Aus der Zeit fallen"...








Wie bin ich nur in dieser Dunkelheit auf den Berg gekommen? Als ich das Anwachsen der ersten hellen Stellen am Himmel verfolgt hatte, war mir wegen des starken Winds so kalt geworden, dass ich wieder heruntersteigen wollte, aber ich musste abwarten, bis es noch heller wurde, denn der Hang war so rutschig, dass ich fürchtete, zu fallen.