Der Bezugsstoff des Sofas, auf dem der
Advent saß, sah orientalisch aus, was mich nicht wunderte. Schließlich hatte
die Sache mit der Krippe weit im Osten stattgefunden. Auch, weshalb er sich die
hinterste Ecke des Cafés ausgesucht hatte, um Platz zu nehmen, lag auf der
Hand. Sie war am dunkelsten und leuchtende Kerzen würden dort am besten zur
Geltung kommen. Ich sah genauer hin und bemerkte, dass aus der Teetasse, die
vor dem Advent stand, eine kleine zarte Rauchsäule emporstieg, die sich anmutig
kräuselte. Er schien auf Gäste zu warten.

Wiederholt ließ er den Blick über die
drei Stühle schweifen, die das Tischchen umstanden. Jedes Mal, wenn sich die
Eingangstür mit einem Bimmeln öffnete, richtete er sich auf und blickte
erwartungsvoll auf die Eintretenden, um dann kopfschüttelnd wieder etwas in
sich zusammenzusinken. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr tat mir der Advent
leid. Gäste kamen und gingen, doch augenscheinlich war keiner von denen darunter,
die vom ihm erwartet wurden. Irgendwann gab ich mir einen Ruck und ging hin.
Große blaue Augen, in denen kleine goldene Sterne zu blinken schienen, sahen
mich an. „Äh, hallo“, sagte ich, „kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“
Keine Ahnung, wieso ich mich so förmlich ausdrückte. Die Gestalt auf dem Sofa
raffte den rotschimmernden Mantel etwas zusammen und forderte mich mit einer
einladenden Geste auf, Platz zu nehmen. Sie hatte also die Hoffnung noch nicht
aufgegeben, dass die Stühle noch gebraucht werden würden.

Ich setzte mich auf
den orientalischen Stoff und nahm plötzlich wahr, wie die aufgedruckten Palmen,
Kamele und Sonnen zu flimmern begannen. Der Untergrund glitzerte sandfarben.
Mir wurde fast ein bisschen schwindelig. Da fielen drei schwarze Schatten auf
mich und rasch sah ich hoch. Wie gezackte Berge standen dunkle Gestalten im
Gegenlicht der Deckenlampe. Details konnte ich nicht erkennen. Die Sitzfläche
des Sofas schwankte, als sich der Advent erhob. „Da seid ihr ja!“, sagte er mit
einer Stimme, die wie ein wohltönender tiefer Gong war, „setzt euch!“ Es
knirschte unter den Füßen der drei Männer, als sie Platz nahmen. Von draußen
war ein eigenartiges Geräusch zu hören, das wie das tiefe Brummen eines Kamels
klang. „Habt ihr alles?“, fragte der
Advent, und sah die Männer, die Kronen und Turbane auf dem Tischchen abgelegt
hatten, aufmerksam an. Sie nickten. Mit einem Lachen klatschte der Advent in
die Hände: „Dann kann nichts mehr passieren!“ Er beugte sich vor: „Euer Ziel
ist die Hauptstadt. Ein Schrebergarten in Friedrichshain. Der Stern wird euch
den Weg zeigen.“ Ich konnte mir nicht erklären, weshalb ich auf einmal so müde
war. Kam es von der Hitze, die in diesem Teil des Cafés plötzlich herrschte,
kam es von dem betörenden Duft, der von der linken Gestalt ausging oder war der
Körper des Advent die Ursache, der eine große, behagliche Wärme ausstrahlte.
Mir fielen die Augen zu und ich schlief ein.

Irgendwann klapperte die Bedienung
mit dem Besteck und ich schrak auf und sah mich um. Niemand war mehr da. Nur
einige Sandhäufchen auf dem Fußboden und etwas Goldstaub auf dem Tisch
bewiesen, dass ich nicht geträumt hatte. Als ich aufstand, stieg eine Wolke von
Zimtgeruch vom Sofa auf.