Dienstag, 23. September 2014

Pieta

Eine Pieta mit silbrig-spirituellen Tränen - Ausgangspunkt für einen zukünftigen Film?



Donnerstag, 4. September 2014

Mittwoch, 3. September 2014

Die Wolkendecke



Die Wolkendecke deckt mich zu, mich Erde, mich Mutter, sanft.






An manchen Tagen stehe ich am Berg und suche nach dir, mein Sohn. Wo bist du? 

Dann erscheinen die Wolken fern und ich finde keinen Trost, kein Verstehen. Dann sucht mein Blick nach Vögeln, den Boten aus der Zwischenwelt. Sind sie dir näher als ich? Das Anfangsgefühl, ich hatte dich in mir als große Kraft und Ruhe, weicht zunehmend der Traurigkeit darüber, dass du nicht mehr da bist.
Ich suche in mir und außerhalb nach Zeichen deiner Anwesenheit, nach Spuren und schreibe in der Hoffnung, das Ausgedrückte zeige dich oder auch den Sinn in Allem. 





Zum 18. Geburtstag hatte ich dir eine Karte geschickt mit einer leuchtenden Wolke über gekräuselter Fläche, alles ganz weit mit großem Himmel, damals wusste ich schon, wie sehr du das mochtest und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie wichtig für mich dieser Blick in die Weite nach deinem Tod noch werden sollte.

Freitag, 16. Mai 2014

samstag früh halbsieben




Zufälle gibt es wahrscheinlich nicht, oder? Gestern bin ich das erste Mal hier in der Bücherei gewesen – wieso habe ich das nicht schon früher getan?
Von meinen Füßen habe ich mich erst in die Abteilung Kunst führen lassen, suchte etwas zeitgenössisches, mich betreffendes, also musste es bei „Kunst nach 1960“ sein, was als letzte Zäsur am Zeitstrahl angegeben war, obwohl die Zeit zwischen 1960 und heute mein ganzes Lebensalter umschreibt und in der Kunst eine unübersehbare Menge an Neuerungen hervorbrachte bis zu dem Punkt: „Heute“ ist gleich „zeitgenössische Kunst“, dazu hatte ich vor der Bücherei ein Symposion besucht, aber davon später.
Mein Blick scannte das ganze Kunstregal ab, blieb kurz bei Beuys hängen, überflog ganze Kunstjahrzehnte und fand das Angebot dünn: keine Frauenkünstlerinnen und noch weniger Frauenautorinnen. Unzufrieden las ich die Stichworte der Unterabteilungen, auch bei „Biografien“ war nichts dabei, schließlich gab es noch die Anthologien, hier „Frauen in der Kunst“ oder „Woman Artists“, das ich selbst besitze. Ganz hinten fand ich zwei Bücher über Street Art und Graffiti, eines davon über weibliche Künstlerinnen in dieser Szene – und nahm es mit, denn ein kurzes Anblättern hatte mir schon eine wunderbare Welt aus Zeichen gezeigt, von denen mich viele berührten. Vielleicht schwang auch die Tatsache mit, dass diese Kunst sich der Öffentlichkeit aufdrängte , sich des öffentlichen Raums bediente und somit auch politisch war – von dieser Tagung war ich angefixt durch die vielen Beispiele politischer Kunst und gleichzeitig aggressiv gestimmt durch die Erinnerung an meine Versuche, in dieser Stadt wahrgenommen zu werden.
Jedenfalls trug ich das dicke quadratische Graffitibuch unter dem Arm mit durch die weiteren Regalreihen, denn ein zusätzliches Buch wollte ich noch mitnehmen, hm, vielleicht zum Thema „Lebensfragen“, denn eine Beratung in dieser Hinsicht hatte ich doch wohl nötig, aber die Titel trafen mein Problem nicht, schon gar nicht die im Regalmeter Frauen. Dann eben weiter zu „Pädagogik und Psychologie“, wieder ein Feld für Problembearbeitung, zumal mir die letzte Unterrichtstunde völlig entglitten war und ich schon überlegt hatte, mit dem Kunstunterricht aufzuhören, aber ich ging zögernd vorbei, schließlich gab es  externe strukturelle Gründe für die schwierige Situation an der Schule, die ich nicht lösen konnte, eben so wenig, wie ich den Kindern nicht durch Lesen eines Psychologiebuches  besser begegnen können würde.
„Warum keine Belletristik?“, dachte ich. Schließlich hatte ich erst durch E. von Audre Lord gehört und ihrem politischen Ansatz und eines ihrer Bücher von ihr empfohlen bekommen. Ich verließ die Sachbuchabteilung und setzte mich in der Belletristikabteilung an den PC, gab die Autorin in die Suchbegriffmaske ein, drückte nach Anweisung auf GO – kein Ergebnis. Also gut, das war wahrscheinlich ein Zeichen, gab es denn nicht andere Autorinnen mit zeitgenössischen Inhalten, die mich interessierten und die ich vielleicht schon immer hatte lesen wollen? Und da fiel mir Christa Wolf ein, sie würde das OstWestThema berühren und war es nicht ihre Figur Kassandra gewesen, die mich damals in den 80ern so tief beeindruckt hatte?  Auch hatte ich einige Reden anlässlich ihres Todes im Gedächtnis und einen ihrer späten Texte ungelesen auf meiner Festplatte – wie hieß nur das letzte Buch, das in Los Angeles spielte und das ich aus Geldmangel nicht zu kaufen gewagt hatte? Genau: Stadt der Engel! Es war nicht ausgeliehen und stand unter dem Buchstaben W ganz unten im vorletzten Regal. Wie eine Beute trug ich es zusammen mit dem Graffitibuch zur Ausleihe, ließ mir die dazu notwenigen Schritte erklären, verstaute beide in meiner Tasche neben der Mitschrift aus dem Symposium und fuhr nach Hause.
Das war gestern und heute früh am Küchentisch schlug ich es auf und wurde bald von eben jener Aufregung ergriffen, die sich einstellt, wenn Inhalte etwas mit mir zu tun haben.

Montag, 30. Dezember 2013

Blancanieves

Seit ich den Film "Blancanieves" im November in Berlin sah - ich war dort zu Besuch und wir gingen ins nächstbeste Programmkino in den zeitlich am besten passenden Film (was für ein Zufall!) - hat mich der Film beschäftigt.
Vorgestern habe ich ihn zum zweiten Mal gesehen - und wieder wurde ich in seinen Bann gezogen.

Wie vielfältig doch die Reaktionen darauf!
Während mich das Vermögen des Regisseurs begeistert, mit den Mitteln des Schwarz-Weiß und des Stummfilms so archetypische Bilder zu erzeugen, dass sie an universelle Ängste und Gefühle rühren und gleichzeitig die Hoffnung auf  Unschuld, Wahrheit, Identität, Liebe, Entkommen aus Isolation zu Glanz und Erfolg wecken, sehen Andere mehr das Böse, das fehlende Happy-End, die Ausweglosigkeit und Starre.
Ich bin glücklich über die Potentiale der Kunst und das Zusammenspiel von Bild und Ton.
Im Nachhinein entdecke ich immer mehr Details, z.B. die Musterung des kleinen Halstuchs, das der Hahn Pepe trägt, ein typisches Flamenco-Stoffmuster, das erst am Hals des Tiers, dann auf der Bratenplatte und zuletzt am Grab zitiert wird, was gleichzeitig den Endpunkt markiert, an dem der Tanz aus dem  Leben des Mädchens für immer verschwindet.
Viele solcher Details gibt es, die ich gar nicht alle aufzählen kann...
Am verblüffendsten und bereichernsten war die Interpretation meines Sohnes, der die deutlichen Parallelen zu unserer Zeit sah, nicht zuletzt gespeist aus den Erfahrungen seines Auslandsjahrs auf den Philippinen: wie oft befinden sich Kinder in existenziell bedrohlichen Abhängigkeiten und haben keine Chance, sich daraus zu befreien.
Auch der Vertrag, mit dem der Geschäftemacher  "Schneewittchen" in ihrer Bildungsferne ausnutzt, die nicht lesen und schreiben kann, und sie täuscht und betrügt, damit sie ihre Unterschrift unter das Dokument setzt und sich ihm ausliefert, führt wie in  neuzeitlichem Machtungleichgewicht dazu, dass sie als Frau ihren Körper verkauft und sich dann benutzen lassen muss.
Noch nie ist die Geschichte von Schneewittchen so erzählt worden. Danke!



trailer

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Die Amsel


Amsel





Zweiter Weihnachtsfeiertag, halbsechs Uhr morgens, ich wache auf, weil vor dem Fenster eine Amsel singt.
Über eine halbe Stunde liege ich wach und höre ihrem Gesang zu, bis ich anfange, mich zu ärgern, dass ich nicht gleich aufgestanden bin, um eine Tonaufnahme zu machen.
Wann wird es in diesem Winter wieder so mild sein, dass früh die Vögel singen?
Wann wird es gleichzeitig so still sein wie an diesem Feiertag, an dem um diese Zeit Autos nur einzelne Ereignisse sind?
Und was für ein Gegensatz zum sommerlichen Vogelkonzert, diese einsame Stimme, die lediglich mit einer weit entfernten anderen Amsel Rede und Antwort flötet.
"Steh auf! Vielleicht ist es noch nicht zu spät...", denke ich, bleibe aber liegen, inmitten dieser Stimmung - und in der Wärme des Bettes.
Als die Amsel nach weiteren zehn Minuten immer noch zu hören ist, springe ich auf und hole mein Aufnahmegerät, programmiere das richtige Mikrofon, stelle auf Aufnahme und lege es am Balkontisch ab.
Mit offenen Ohren liege ich anschließend wieder im Bett, höre den ersten Bus des Tages an und abschwellen, dann einige Autos und schließlich den langen akustischen Vorgang eines Flugzeugs, während die Amsel weiter zu hören ist, aber sie hat den Standort gewechselt und ist leiser geworden.
Über eine Stunde liegt der Recorder im Freien, nimmt Regentropfen auf, die am Balkongeländer mit einem hellmetallischen Ton abprallen und von Ahornblätten auf Ahornblätter fallen, erste menschliche Geräusche im Haus wie Hochziehen von Rollos, Schritte vom Weg und den Gesang der Amsel - ein Klangbild vom Erwachen an einem 2. Weihnachtstag.

Montag, 18. November 2013

out of my window

Gleich kommt meine Blattschneiderameise!


Außen November, innen setzt die geschenkte Geranie eine neue Blüte an - ich stelle mir vor, die Pflanze repräsentiert mich, meine Wurzeln, meinen Körper und die Blätter meine Gehirnhälften.

Die Blüte, die im Entstehen begriffen ist, ist ein Gedanke über die Kunst, insbesondere über die Frage, inwiefern meine Kunst zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung bezieht.

Meine Filmcollagen spiegeln meine Lebenswirklichkeit und somit automatisch auch meine Auseinandersetzung mit der Realität:  der Frage des Verlusts - eines Menschen, eines gewachsenen Umfelds, die Konfrontation mit Vorurteilen, die Schwierigkeit, in Resonanz zu kommen etc.

Erfahrungen, wie sie viele Menschen machen, auch bedingt durch die Geschichte wie der dt. Teilung, krankmachende Arbeits- und Lebensbedingungen, Enttäuschung durch politische Systeme, all das fließt bildhaft in meine Collagen ein - die Brüche meines Lebens bilden sich ab und lösen als allgemeingültige und nachvollziehbare Bildzitate zusammen mit sich den Erwartungen verweigernden Sounds beim Betrachter Emotionen aus.